Wie wir aus dem Gefühl gesellschaftlicher Ohnmacht herausfinden können – und warum die Lösung nicht darin besteht, die nächste Krise noch besser zu erklären

Im ersten Teil ging es um ein Gefühl, das sich durch unsere Gegenwart zieht: Ohnmacht.

Um eine Gesellschaft, die in drei Jahrzehnten gelernt hat, dass Sicherheiten erstaunlich schnell verschwinden können. Finanzkrise, Pandemie, Krieg, Inflation, Klimawandel, Migration, politische Polarisierung und technologische Umbrüche haben sich nicht nacheinander ereignet, mit ausreichend Zeit dazwischen, sondern zunehmend übereinandergelegt.

Die naheliegende Reaktion darauf lautet häufig: Wir müssen die Menschen besser informieren.

Vielleicht ist genau das ein Teil des Problems.

Denn ein Mensch, der sich ohnmächtig fühlt, leidet nicht zwangsläufig an einem Mangel an Informationen. Vielleicht leidet er sogar an deren Überfluss. Er weiß von schmelzenden Gletschern, Kriegen, Haushaltslöchern, Rentenproblemen, Artensterben, Fachkräftemangel und künstlicher Intelligenz. Er trägt das Wissen um die Probleme einer ganzen Welt in seiner Hosentasche.

Was ihm fehlt, ist etwas anderes.

Das Gefühl, etwas bewirken zu können.

Wenn Ohnmacht eines der großen gesellschaftlichen Gefühle unserer Zeit ist, müsste eine Antwort darauf deshalb weniger lauten: Wir müssen den Menschen die Welt noch genauer erklären.

Sondern: Wir müssen ihnen ihre Wirksamkeit zurückgeben.

Das beginnt erstaunlich klein.

Der Mensch braucht einen Radius, in dem er etwas bewirken kann

Niemand kann morgens aufstehen und den Klimawandel lösen. Niemand beendet auf dem Weg zur Arbeit einen Krieg. Niemand reformiert während der Mittagspause das Rentensystem.

Und trotzdem konfrontieren wir Menschen täglich mit genau diesen Dimensionen.

Das erzeugt eine merkwürdige Diskrepanz. Unsere Informationswelt ist global, unsere tatsächliche Handlungsmacht aber meistens lokal.

Vielleicht müssen wir lernen, beides wieder voneinander zu unterscheiden.

Der Einzelne kann seine Aufmerksamkeit bewusster steuern, Nachrichten nicht permanent, sondern zu bestimmten Zeiten konsumieren, Push-Mitteilungen abschalten, soziale Medien begrenzen und sich fragen, welche Information tatsächlich eine Handlung von ihm verlangt. Er kann sich im Verein engagieren, einem Nachbarn helfen, an einer Bürgerversammlung teilnehmen, einen Baum pflanzen, wählen gehen, eine Initiative unterstützen, Freunde einladen, ein Ehrenamt übernehmen oder einfach regelmäßig mit Menschen sprechen, die anders denken als er.

Das klingt beinahe banal.

Doch möglicherweise liegt gerade darin eine politische Kraft.

Denn Selbstwirksamkeit entsteht selten durch große Gedanken. Sie entsteht durch die Erfahrung: Ich habe etwas getan und danach war etwas anders als vorher.

Ein Kind, dem man beim Lernen hilft, versteht etwas, das es gestern noch nicht verstanden hat. Ein älterer Nachbar ist weniger allein. Ein Verein findet einen neuen Helfer. Ein kaputter Spielplatz wird nach einer Bürgerinitiative repariert. Eine Gemeinde pflanzt Bäume. Eine Familie verändert ihren Energieverbrauch.

Keine dieser Handlungen rettet die Welt.

Aber sie verändert das Verhältnis des Menschen zur Welt.

Aus dem Zuschauer wird ein Beteiligter.

Vielleicht müssen wir auch wieder lernen, nicht alles zu wissen

Es gibt einen kulturellen Glaubenssatz unserer Zeit, der erstaunlich selten hinterfragt wird: Informiert zu sein sei grundsätzlich gut.

Aber wie viel Welt kann ein Mensch eigentlich verarbeiten?

Noch vor wenigen Generationen wusste ein Bewohner eines deutschen Dorfes möglicherweise nichts von einem Hochwasser in Pakistan, einem Waldbrand in Kanada oder einer politischen Krise in Südamerika.

Heute kann er innerhalb von fünf Minuten Bilder von allen drei Ereignissen sehen.

Das macht uns nicht automatisch empathischer.

Es kann uns auch abstumpfen.

Ein bewussterer Medienkonsum bedeutet deshalb nicht Ignoranz. Es bedeutet, zwischen Information und permanenter Alarmierung zu unterscheiden.

Vielleicht brauchen wir eine neue Form digitaler Hygiene, ähnlich selbstverständlich wie Zähneputzen: Zeiten ohne Smartphone, nachrichtenfreie Räume, ausgeschaltete Push-Mitteilungen, Mahlzeiten ohne Bildschirm, Schlafzimmer ohne Nachrichtenfeeds und die bewusste Entscheidung, nicht jede Empörungswelle mitzuerleben.

Nicht weil uns die Welt egal sein sollte.

Sondern weil ein dauerhaft überforderter Mensch irgendwann überhaupt nichts mehr für sie empfindet.

Arbeitgeber haben mehr Einfluss auf gesellschaftliche Stimmung, als sie glauben

Politische Debatten behandeln Arbeit häufig als wirtschaftliche Kategorie. Arbeitszeit, Produktivität, Fachkräftemangel, Löhne, Homeoffice.

Dabei verbringen viele Erwachsene einen erheblichen Teil ihres wachen Lebens am Arbeitsplatz.

Die Erfahrung, die Menschen dort machen, prägt ihr Verhältnis zu Macht und Ohnmacht vermutlich stärker, als manche politische Kampagne es je könnte.

Wer jeden Tag erlebt, dass Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen werden, Vorschläge ignoriert werden, Führungskräfte nicht erklären, warum Veränderungen notwendig sind, Fehler bestraft, aber Erfolge selbstverständlich genommen werden, lernt eine bestimmte Lektion:

Meine Stimme zählt nicht.

Unternehmen können das Gegenteil vermitteln.

Mitarbeitende können frühzeitig in Veränderungen einbezogen werden, Arbeitsabläufe mitgestalten, Verantwortung übernehmen und nachvollziehen, warum Entscheidungen getroffen werden. Führungskräfte können Unsicherheit zugeben, statt Souveränität zu simulieren. Kritik kann als Information behandelt werden und nicht als Illoyalität.

Und vielleicht müssen wir auch über eine scheinbar kleine Sache wieder sprechen: Anerkennung.

Nicht als Motivationsseminar.

Sondern als menschliche Rückmeldung.

Du hast etwas beigetragen. Wir haben es gesehen. Es war wichtig.

Menschen brauchen diese Erfahrung.

Nicht ständig.

Aber regelmäßig.

Schulen könnten Orte der Selbstwirksamkeit sein

Vielleicht beginnt die wichtigste Veränderung jedoch viel früher.

Wir erzählen Kindern, Demokratie bedeute Mitbestimmung.

Dann verbringen sie einen großen Teil ihrer Kindheit in Institutionen, in denen sie erstaunlich wenig mitbestimmen können.

Der Stundenplan steht fest, die Unterrichtsinhalte stehen weitgehend fest, Prüfungen stehen fest, Pausenregeln stehen fest, Sitzordnungen werden festgelegt, Leistungen werden bewertet.

Das ist teilweise notwendig.

Aber es hinterlässt eine paradoxe Botschaft: Später sollst du unsere Demokratie gestalten, jetzt machst du erst einmal, was wir dir sagen.

Schulen könnten deshalb viel stärker zu Erfahrungsräumen gesellschaftlicher Wirksamkeit werden.

Schülerinnen und Schüler könnten reale Budgets verwalten, über Teile der Schulhofgestaltung entscheiden, Projekte initiieren, Veranstaltungen organisieren, Regeln mitentwickeln, Konflikte moderieren, Schülerzeitungen betreiben, kommunale Politiker einladen und konkrete Probleme ihrer Umgebung bearbeiten.

Politische Bildung müsste dann nicht nur erklären, was der Bundestag ist.

Sie würde erfahrbar machen, wie Demokratie sich anfühlt.

Auch Scheitern gehört dazu.

Eine Schülerinitiative bekommt vielleicht nicht alles durchgesetzt. Ein Projekt funktioniert nicht. Eine Abstimmung geht anders aus als erhofft.

Gerade darin liegt Demokratie.

Nicht darin, immer seinen Willen zu bekommen.

Sondern darin, zu erleben, dass man Teil eines Prozesses ist.

Politik muss wieder sichtbar wirksam werden

Auch die Politik steht vor einem Problem der Größenordnung.

Viele politische Entscheidungen sind so komplex geworden, dass zwischen Beschluss und Wirkung Jahre liegen können.

Ein Bürger hört von einem Sondervermögen über Milliarden Euro, einer Reform des europäischen Strommarktes, einer Änderung des Gebäudeenergiegesetzes oder einem neuen Infrastrukturprogramm.

Doch seine Bushaltestelle hat noch immer kein Dach.

Das Schlagloch vor seinem Haus existiert seit drei Jahren.

Der Termin beim Amt dauert Monate.

Der Spielplatz ist kaputt.

Hier entsteht ein gefährlicher Widerspruch.

Ein Staat, der Milliarden bewegen kann, aber scheinbar keine Parkbank repariert bekommt, wirkt nicht mächtig.

Er wirkt absurd.

Deshalb braucht Demokratie sichtbare Erfolge im Kleinen.

Kommunen benötigen Handlungsspielräume. Bürgerbudgets können Menschen reale Entscheidungen ermöglichen. Verwaltungsprozesse müssen einfacher werden. Beteiligungsverfahren dürfen nicht erst stattfinden, wenn eine Entscheidung faktisch bereits getroffen wurde.

Und Politik müsste wieder häufiger sagen können: Wir wissen es noch nicht.

Die Erwartung, Politiker müssten auf jede Frage sofort eine Antwort besitzen, produziert eine Kultur der vorgetäuschten Gewissheit.

Dabei schafft das Eingeständnis von Unsicherheit nicht zwangsläufig Misstrauen.

Es kann Vertrauen schaffen.

Vorausgesetzt, anschließend wird erklärt, wie eine Entscheidung zustande kommt.

Demokratie braucht weniger Zuschauer

Vielleicht liegt ein Teil unserer politischen Krise auch darin, dass wir Demokratie zunehmend konsumieren.

Wir beobachten Politiker wie Teilnehmer einer Castingshow.

Wer hat gewonnen? Wer hat verloren? Wer hat sich versprochen? Wer hatte den besseren Satz? Wer wurde in einer Talkshow „zerlegt“?

Politik wird zum Unterhaltungsformat.

Der Bürger sitzt auf dem Sofa und bewertet.

Doch Demokratie ist eigentlich kein Zuschauersport.

Sie funktioniert nur, wenn Menschen Vereine gründen, Parteien beitreten, Bürgerinitiativen organisieren, Gemeinderatssitzungen besuchen, Leserbriefe schreiben, demonstrieren, diskutieren, Kompromisse schließen und Verantwortung übernehmen.

Das ist mühsam.

Manchmal langweilig.

Oft frustrierend.

Aber vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen politischer Wirksamkeit und politischem Konsum.

Und dann wären da die Nachrichten

Kaum ein gesellschaftlicher Bereich beeinflusst unser Bild von der Welt stärker.

Journalismus hat die Aufgabe, Missstände sichtbar zu machen. Das ist unverzichtbar.

Doch daraus entsteht ein strukturelles Problem: Was funktioniert, ist selten eine Nachricht.

„Heute haben 83 Millionen Menschen in Deutschland keinen Gewaltakt erlebt“ wäre faktisch bemerkenswert, journalistisch aber absurd.

Ein Zug, der pünktlich ankommt, ist keine Meldung. Ein Zug, der sechs Stunden liegen bleibt, schon.

Eine friedliche Demonstration verschwindet schnell aus den Schlagzeilen. Ein brennendes Auto bleibt im Gedächtnis.

Dadurch entsteht ein Wahrnehmungsfehler.

Wir sehen nicht die Welt.

Wir sehen die Abweichungen von ihrem Normalzustand.

Das wäre weniger problematisch, wenn Nachrichten noch klar begrenzte Zeitfenster hätten. Doch im digitalen Wettbewerb muss aus jeder Entwicklung ein Liveblog, aus jeder Äußerung eine Eilmeldung und aus jedem Konflikt Content werden.

Vielleicht braucht Journalismus deshalb nicht weniger Kritik.

Sondern mehr Kontext.

Nicht nur: Was ist passiert?

Sondern auch: Wie ungewöhnlich ist das eigentlich?

Wird es tatsächlich schlimmer oder nehmen wir es nur häufiger wahr?

Was funktioniert trotz des Problems?

Wo wurde ein ähnliches Problem bereits gelöst?

Was können Menschen konkret tun?

Das wäre kein „positiver Journalismus“, der schlechte Nachrichten schönredet.

Es wäre vollständiger Journalismus.

Wir brauchen mehr Geschichten darüber, dass Dinge funktionieren

Kultur prägt, was eine Gesellschaft über sich selbst glaubt.

Wenn Filme, Dokumentationen, Nachrichten, Podcasts und soziale Medien permanent erzählen, dass Institutionen versagen, Politiker korrupt, Unternehmen gierig, Menschen egoistisch und die Zukunft düster sei, entsteht irgendwann eine kulturelle Grundannahme:

Alles geht bergab.

Das Problem daran ist nicht, dass diese Geschichten erfunden wären.

Das Problem ist ihre Auswahl.

Denn gleichzeitig lösen Menschen jeden Tag Probleme.

Ärzte retten Leben, Ingenieure entwickeln Technologien, Lehrer bringen Kindern Lesen bei, Nachbarn helfen einander, Unternehmen entwickeln bessere Produkte, Kommunen verändern Innenstädte, Wissenschaftler finden Therapien, Ehrenamtliche organisieren Vereine.

Auch das ist Realität.

Nur besitzt das Funktionierende einen journalistischen Nachteil:

Es ist weniger spektakulär.

Vielleicht braucht eine resiliente Gesellschaft deshalb nicht mehr Optimismus.

Sie braucht einen vollständigeren Blick auf sich selbst.

Auch soziale Medien könnten anders funktionieren

Die gegenwärtige digitale Öffentlichkeit belohnt häufig das Gegenteil.

Empörung erzeugt Aufmerksamkeit.

Angst erzeugt Aufmerksamkeit.

Konflikt erzeugt Aufmerksamkeit.

Differenzierung selten.

Ein Mensch, der schreibt „Die Sache ist kompliziert, beide Seiten haben nachvollziehbare Argumente“, wird kaum viral gehen.

Jemand, der schreibt „DAS IST DER GRÖSSTE SKANDAL UNSERER ZEIT“, hat bessere Chancen.

Damit haben wir ein gesellschaftliches Kommunikationssystem geschaffen, das emotionale Eskalation strukturell belohnt.

Das lässt sich nicht allein durch Appelle lösen.

Plattformen könnten Nutzern mehr Kontrolle darüber geben, welche Mechanismen ihre Feeds bestimmen. Medienkompetenz müsste erklären, warum bestimmte Inhalte Aufmerksamkeit erzeugen. Schulen könnten nicht nur vor Fake News warnen, sondern zeigen, wie Algorithmen Emotionen verstärken.

Und jeder Einzelne könnte sich eine erstaunlich wirkungsvolle Frage angewöhnen:

Muss ich das jetzt wirklich teilen?

Nicht jede Empörung benötigt ein größeres Publikum.

Vielleicht brauchen wir wieder Orte ohne Politik

Das klingt in einer hochpolitisierten Zeit beinahe verdächtig.

Aber eine Gesellschaft besteht nicht nur aus politischen Positionen.

Menschen müssen miteinander Fußball spielen können, obwohl sie unterschiedliche Parteien wählen. Sie müssen gemeinsam musizieren, arbeiten, wandern, grillen, Kinder erziehen, Theater spielen und Bier trinken können, ohne zunächst ihre Haltung zu Migration, Klima, Gender oder Nahost erklären zu müssen.

Vereine, Kirchengemeinden, Kulturzentren, Feuerwehren, Chöre, Sportplätze, Jugendhäuser und Nachbarschaften besitzen deshalb eine demokratische Funktion, die leicht unterschätzt wird.

Dort begegnet man nicht „dem Linken“, „dem Rechten“, „dem Migranten“, „dem Akademiker“ oder „dem Rentner“.

Man begegnet Thomas, Aylin, Michael und Sarah.

Das klingt sentimental.

Politisch ist es hochrelevant.

Denn Feindbilder funktionieren am besten auf Distanz.

Die Rückkehr der Langsamkeit

Vielleicht benötigen wir schließlich etwas, das in keiner Reformkommission beschlossen werden kann.

Langsamkeit.

Nicht als romantische Flucht aus der Moderne.

Sondern als Gegenmittel zur permanenten Reaktion.

Nicht jede Nachricht verlangt sofort eine Meinung. Nicht jeder politische Konflikt muss innerhalb von Minuten bewertet werden. Nicht jede Provokation verdient eine Antwort.

Eine demokratische Gesellschaft braucht Menschen, die Unsicherheit aushalten können.

Menschen, die sagen können: Ich weiß es noch nicht.

Menschen, die ihre Meinung ändern können, ohne dies als Niederlage zu empfinden.

Menschen, die einem anderen zuhören, ohne währenddessen bereits die Gegenargumente zu formulieren.

Vielleicht wäre das eine der radikaleren kulturellen Veränderungen unserer Zeit.

Hoffnung ist keine Stimmung

Am Ende bleibt ein Begriff, der schnell kitschig klingt: Hoffnung.

Vielleicht liegt das daran, dass wir Hoffnung mit Optimismus verwechseln.

Optimismus sagt: Es wird schon gutgehen.

Hoffnung sagt etwas anderes.

Es kann schwierig werden. Vielleicht werden wir Fehler machen. Manche Probleme werden größer werden. Manche Lösungen werden scheitern.

Und trotzdem können wir handeln.

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Eine Gesellschaft überwindet Ohnmacht nicht dadurch, dass man ihr verspricht, alles werde gut.

Sie überwindet Ohnmacht, wenn Menschen wieder erleben, dass ihr Handeln einen Unterschied macht.

Im eigenen Leben, am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Gemeinde, in der Politik und in der Art, wie wir miteinander über unsere Welt sprechen.

Vielleicht benötigen wir deshalb keine große gesellschaftliche Therapie.

Vielleicht brauchen wir Millionen kleiner Erfahrungen von Wirksamkeit.

Ein Gespräch, das nicht eskaliert. Ein Problem, das gemeinsam gelöst wird. Ein Kind, das merkt, dass seine Stimme zählt. Ein Arbeitnehmer, dessen Idee umgesetzt wird. Ein Bürger, der erlebt, dass seine Gemeinde auf ihn hört. Ein Journalist, der nicht nur beschreibt, was zerbrochen ist, sondern auch untersucht, wie es repariert werden kann.

Keine dieser Erfahrungen wird die Welt retten.

Aber vielleicht müssen wir damit aufhören, von jedem Einzelnen zu verlangen, die Welt zu retten.

Es würde fürs Erste genügen, wenn Menschen wieder erfahren:

Ich bin nicht ausgeliefert.

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